Ich bin sehr traurig. Dabei habe ich mich noch gestern so gefreut. Ich wurde das erste Mal seit Monaten wieder eingeladen. Seit dem kleinen Vorfall vor einer Weile verbannten mich meine alten Freunde ja in eine ziemliche Einsamkeit. Ich erzähle euch vielleicht später, was mir da passiert ist. Aber gestern schien alles wieder gut zu sein.
Wir trafen uns zum Eierbemalen. Doch als ich das erste Ei sah, musste ich bitterlich weinen. Ich wurde so schmerzhaft an Mario und seine süßen Testikel erinnert. Mich versteht natürlich immer noch niemand und ich habe immer das Gefühl, dass sie mich verachten, wenn ich weine. Ich bin dann schnell auf die Toilette gegangen, um mich nachzuschminken und mir ein paar Sulpirid plus Johanniskraut zu genehmigen, die ich bei meiner Mutter im Nachttisch fand. Ich glaube, die helfen mir dann immer sehr gut. Und als ob ich nicht genug gelitten hätte für diesen Abend, sehe ich beim Zurückkehren diesen grausamen Jungen, der mich immer als emotionales Klappergerüst beschimpft.
Wieso laden meine Freundinnen denn so einen ein? Dieser Mensch macht mich so traurig. Er erzählte ganz kalt, dass er aus Prinzip nur Eier kauft, die aus Käfighaltung kommen. Da konnte ich nicht anders, als zu weinen, weil ich so an die Hühner denken musste. Aber ich wollte vor meinen Freunden auch keine Spielverderberin sein, also habe ich mich überreden lassen, auch ein Ei zu bemalen. Weil ich als Letzte kam, war aber nur noch ein Ei übrig. Und als hätte ich nicht schon genug gelitten im Leben, muss dieses auch noch kaputt sein. Es ging überall auf und sah aus wie die Eier von Hühnern, über deren Käfige häufig Flugzeuge sehr tief fliegen. Wie eine kleine Banane. Ich konnte nicht mehr. Ich habe dieses Ei so als Sinnbild für mich und meine verkorkste Sozialisation gesehen.
Entschuldigt die schwierigen Fachausdrücke, aber ich habe letztens bei „taff“ ein wenig gelernt über so menschliche Entwicklung. Ich habe mich dann entschuldigt für mein Weinen, was man aber gar nicht soll laut „taff“ und meine Mutti sagt mir das auch immer. Ich hoffe, sie wird nicht böse wegen den Tabletten. Vielleicht sage ich ihr auch offen, dass ich unter starken Depressionen leide. Dann schickt sie mich vielleicht auch zu ihrem Arzt. Dem mit den starken großen Männerhänden, mit denen er einen ganz behutsam abtastet, wenn man krank ist. Aber von denen erzähle ich euch das nächste Mal etwas.
Daphne